Als vor gut einem Jahr die Idee aufkeimte, zu versuchen in Murten eine Linux User Group aufzubauen, war keinem der Ideenträger klar, ob auch nur die geringste Chance bestand, dieses Vorhaben umzusetzen. Ein Blick auf die schweizer Linuxszene zeigte sofort, dass sich LUGs bisher nur in den Städten und Ballungsräumen gebildet hatten.
Wäre so ein Vorhaben auch in der Provinz möglich??
Nun, nach dem ersten und sicherlich nicht immer einfachen Jahr möchte ich diese Frage trotzdem eindeutig mit Ja beantworten.
Aber vielleicht erst einmal der Reihe nach:
Am 27.2.2001 trafen wir uns zu einer Gründungsversammlung im Restaurant Bahnhöfli. Vorausgegangen war ein Zeitungsartikel, eine Ankündigung über die Linux User Group Schweiz, eine provisorische Web-Page, mehrere Aushänge und, wie ich erst später erfahren habe, auch ein Hinweis bei Radio Fribourg.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass wir den Tisch, an dem sich die ersten Anwesenden niedergelassen hatten, in ca. 5-minütigen Abständen verlängern mussten, bis der halbe Raum zu einer grossen Tafel umgebaut war. Am Ende des Abends waren ca. 35 Personen anwesend, einige Linux-Profis, einige die bereits ein wenig mit Linux gearbeitet hatten und auch einige, die Linux nur vom Hören-Sagen her kannten.
Zu Spüren war an diesem Abend eine grosse Euphorie, wenn auch bereits hier klar wurde, dass doch ganz unterschiedliche Interessen an Linux bestanden.
Doch war diese Anfangseuphorie irgendwie konservierbar??
Die Anfangszeit stand natürlich ganz im Zeichen von organisatorischen Problemen. Unter Anderem musste ein Raum für unsere Treffen gefunden, die unterschiedlichen und teilweise unausgesprochenen Ziele und Wünsche irgendwie sortiert und eine Webseite erstellt werden. Im Nachhinein lässt sich, glaube ich sagen, dass all diese Probleme mehr oder weniger gut gelöst werden konnten. Dies vor allem durch den persönlichen Einsatz einiger Lugmu-er. Zu nennen sei hier Falk, der es uns ermöglichte, unsere ersten Treffen bei A&A Computer durchzuführen, Arno, der uns den Schulungsraum bei der SAIA verschaffte und weiterhin betreut, Roger, der die Webseiten erstellt hat und aktuell hält, der Internetgalerie Thun, die diese Seiten hostet, René, der unsere Mailingliste zur Verfügung stellt, Chrigu, der die ersten Treffen organisiert hat usw.
Die zweite Phase bestand darin, Kontinuität in die LUGMU zu bringen. Mit Kontinuität meine ich hierbei, dass unsere Treffen so gestaltet sein mussten, dass sowohl die Linuxanfänger die Möglichkeit bekamen, sich Wissen anzueignen, als auch für die Teilnehmer, die bereits Linuxerfahrungen hatten, interessante Themen einzubauen. Dass dies am Anfang, aus Mangel an gut aufgesetzten Computern nicht immer der Fall war, ist mir klar, war aber aufgrund der äusseren Umstände leider nicht anders möglich. Seit Ende 2001 sind hierbei allerdings grosse Fortschritte gemacht worden, d.h. inzwischen haben die meisten Teilnehmer an unseren Treffen einen eigenen Rechner mit funktionierendem Linux im Schulungsraum. Dank hierfür sei besonders Arno, René und Jürg gezollt, die in einigen Abendsessionen die Schulungsraumrechner zum Laufen brachten.
In der Zwischenzeit hatte sich die Zahl der Teilnehmer an den Treffen auf einem geringerem Pegel (8-10 Leute) eingependelt. Ich glaube, dass wir auch wirklich für jeden Geschmack und für jeden Linuxerfahrungsgrad Vorträge und Diskussionen dabeihatten, dass trotzdem mancher durch einen bestimmten Vortrag überfordert, unterfordert oder gar enttäuscht war, liegt in der Natur der Sache. Auch gewisse Diskussionen wurden teilweise sehr kontrovers geführt, was ich persönlich immer als vorteilhaft empfunden habe. Linux lebt von Kontroverse und unterschiedlichen Interessen. Es kann sich nur etwas Gutes entwickeln, wenn es immer wieder und wieder von allen möglichen Sichtweisen aus hinterfragt wird. Natürlich mag dies für den Einen oder Anderen von Zeit zu Zeit auch frustrierend sein, wirkt sich aber positiv auf das Ganze aus. Dies ist der Geist der Linux/GNU Bewegung und er kann, wie unschwer an Linux erkennbar ist, sehr viel erreichen.
Ich wünsche mir, dass die LUGMU weiterhin im ganz Kleinen an diesem Geist partizipiert und wir noch viele interessante Treffen mit vielen Diskussionen haben werden. Auch möchte ich Allen, die irgendwie mit Rat und Tat geholfen haben, die LUGMU das werden zu lassen was sie ist, für ihr Engagement danken.
Der LUGMU selber möchte ich zum Geburtstag herzlich gratulieren und ihr für das nächste Jahr viel Gutes wünschen. Die etwas abgedroschene Phrase alles Gute heben wir uns für später auf.